Unsere Fahrt nach Serbien

Wir möchten Ihnen von unserer Fahrt nach Serbien erzählen.

Es handelt sich hierbei um ein Gemeinschaftsprojekt von 8 Tierschutzvereinen. Den Fahrern Sandra, Heidrun und Frank wurde von Bruno Pet ein Großtransporter zur Verfügung gestellt. Der Routenplaner errechnete eine Route von rund 4500 km *schluck*, das bedeutet 4 Tage unserer Zeit. Also gutes Sitzfleisch und starke Nerven mitbringen. Es wurden Brote geschmiert, Kaffee gekocht, Süßigkeiten gekauft, Zigaretten gemacht, Decken mitgenommen, genügend Wasser, Futter, Näpfe und Leckerlis eingepackt.

Die Nächte vor solch einem Transport sind immer sehr kurz, man kann kaum schlafen und die Gedanken rotieren. Geht alles gut? Hast du an alles gedacht? Ist der Transporter schon betankt? Irgendwann fallen einem die Augen zu und nach 2 Stunden klingelt dann auch schon der Wecker und man fühlt sich wie erschlagen. Wasser ins Gesicht, Zähne geputzt, Kind und Schatz nen Kuss aufgedrückt und los gehts, die anderen einsammeln. Oh je, die sehen auch nicht besser aus als ich. Man fragt sich untereinander ab, ob sie dieses und jenes mit haben – weil es schwierig wird nach 2000 km noch mal umzudrehen.

Die Autobahnen sind noch einigermaßen leer und die ersten Schnitten sind gegessen. Die Müdigkeit macht dem Adrenalin Platz und die Stimmung wird besser. Man fühlt sich innerlich sehr gut, weil wir wissen, dass das was wir tun diesen Hunden helfen wird. Und der Mensch braucht dieses Gefühl, man möchte gebraucht werden und es geht auch um Anerkennung – alles durch und durch menschliche Gefühlsregungen. Unterwegs tauschen wir die Plätze und wechseln uns mit dem fahren ab.

Wir kommen der Grenze näher und man unterhält sich über die anderen Autofahrer, regt sich über ihren Fahrstil auf und das ein oder andere Idiot verlässt unsere Lippen. Nun muss die Grenze ganz nah sein, die Autos stauen sich. Wir sind alle ziemlich aufgeregt und machen andächtig ein Foto. Die erste Müdigkeit setzt ein, so ist das oftmals mit Etappenzielen. Aber wir halten mit Kaffee und Zigarette durch. Freitagnachmittag sind wir endlich am Ziel. Wir werden herzlich von Ana Stefanovic und ihrem freiwilligen Helferteam des Belgrader Tierheims empfangen. Wir tauschen uns über die Fahrt aus und sind aber schon neugierig auf die Tiere. Aber was wir dort zu sehen bekommen, das kann man fast nicht in Worte ausdrücken.

300 Tiere sitzen dort mehr oder weniger aufeinander. Es fehlt an Geldern. Ana gibt sich große Mühe die Tiere gut zu versorgen. Wir sind einfach nur froh, ihr wenigstens 34 Hunde abnehmen zu können. Im Grunde ist es immer dasselbe; Menschen die selber schon sehr wenig haben, geben das wenige noch für die Tiere her. Und sie verlieren nie ihr Lächeln und ihre Zuversicht. Es ist Freitagnacht, alle Hunde sind verladen und ich bin immer wieder erstaunt, wie gut sich diese Hunde händeln lassen. Kein Anzeichen von Aggression oder unsozialem Verhalten.

Wir verlassen Ana und Belgrad mit schwerem Herzen, einfach weil man das Gefühl hat nicht genug geholfen zu haben. Dieses Gefühl tut sich oft im Tierschutz auf….es müsste doch mehr sein…aber jeder kann nur das tun, was in seiner Macht steht. Die Rückfahrt dauert nun länger, weil wir uns nun nicht nur um uns kümmern müssen, sondern auch um die Hunde. Aber niemanden von uns stört das und die Hunde sind so dankbar. Manch einer fragt sich jetzt wie ein Hund dankbar sein kann. Er ist Dankbar indem er Ihnen vertraut, er Ihnen mit seiner nassen Zunge durch das Gesicht leckt und einfach Ihre Nähe sucht.

Als wir Sonntag in Deutschland ankommen, sind wir merklich erschöpft, da der Schlaf in einem Transporter nicht wirklich erholsam ist. Aber nun auf zum Endspurt, wir verteilen die Hunde auf Pflegestellen und Tierheime in ganz Deutschland. Weil wie schon geschrieben, es sich um ein Gemeinschaftsprojekt handelt. Es wird geplant, Fahrer gesucht, nach Transportern gefragt, Spritgeld gesammelt, und die Unterbringung der Tiere muss organisiert werden. Aber an all das denken wir nicht mehr. Wir sind auf dem Weg nach hause und haben das Bedürfnis zwei Tage lang zu schlafen. Aber das geht nicht, denn da warten Familie, die eigenen Tiere und Arbeit – halt die üblichen Verpflichtungen eines Tierschützers.

Dennoch schlafen wir mit dem Gefühl ein, etwas wenn auch kleines für die Tiere getan zu haben. 34 Hunde haben nun eine Chance zu erfahren wie es ist genügend Platz, Liebe und Aufmerksamkeit zu erhalten. Ich könnte noch unendlich weiterschreiben, aber ich will schlafen, bin müde und lasse die Bilder für mich weitersprechen....