Gedanken zu der Fußballeuropameisterschaft in der Ukraine

Letzte Woche Samstag verfolgte ich gespannt unser erstes EM-Spiel Deutschland gegen Portugal. Nachdem wir durch Gomez das 1:0 erzielten, jubelte die Nation. Aber als der ehemalige Fußballer und jetzige ARD-Experte Mehmet Scholl meinte: "Ich hatte zwischendurch Angst, dass er sich wund gelegen hat, dass man ihn wenden muss.", fiel bestimmt einigen Leuten die Kinnlade herunter. Was für eine harsche Kritik! Aber egal wie, wir waren weiter. Gestern nun konnte Gomez durch sein 2:1 gegen Holland, seine angekratzte Spielerwürde mehr als wieder herstellen. Und wer von uns hat sich nicht insgeheim gedacht...tja Mehmet...nix mit wund liegen....?
Wir haben wegen der scharfen und viel diskutierten Kritik Mitleid gegenüber Gomez empfunden. Aber warum aber kann der Mensch Mitleid empfinden? Es ist die Anteilnahme am Schmerz und Leid anderer. Es geht um Moral, Ethik, Emotionen und Empathie.

Am 1. Juli findet das Endspiel um die Europa-Meisterschaft statt und in unserer patriotischen Hoffnung ist Deutschland einer der Finalisten. Dennoch kommen mir immer wieder die ersten Bilder aus der Ukraine ins Gedächtnis. Hundekadaver...von streunenden Hunden, die nun im Visier der Öffentlichkeit ein Problem darstellten. 250 000 von ihnen wurden vergiftet oder erschossen. Welch ein Massaker. Und dabei hätte man dieses Problem schon viel eher angehen und lösen können. Denn eine Sterilisation kostet in der Ukraine 10 €, aber zu viel Geld für einen nutzlosen Hund. Jetzt als Gastgeber der Europa-Meisterschaft stellten sich die Dinge anders dar und die Behörden waren bis vor kurzem noch bereit 25 € Kopfprämie für einen toten Hund zu zahlen. Den Irrsinn nicht zu bemerken, ist unmöglich. Anfänglich schrieb ich von Mitgefühl und emotionaler Verbundenheit gegenüber dem deutschen Nationalteam. Das aber empfinde ich auch gegenüber all den getöteten Hunden und denen die wahrscheinlich noch immer um die Straßen zu säubern, heimlich getötet werden.

Nun sitze ich hier - als Mensch zum Mitgefühl fähig - welches von Menschen ohne Mitgefühl ausgelöst wurde. Die Vorstellung, Angela Merkel und die gesamte EU-Kommission würde nur wegen einem einzigen grundlos getöteten Hund zuhause bleiben, wäre undenkbar. Aber die Hoffnung liegt in der menschlichen Geschichte und der Glaube, dass Ungerechtigkeit nicht ewig fortwährt. Sonst hätten z.B. die Montagsdemonstranten wieder nach Hause gehen können. Es hätte sich nichts an ihrem Leben geändert und wir wären immer noch durch eine Mauer von unseren Familien getrennt. Aber sie haben für ihre Rechte gekämpft, vor allem weil sie es konnten.

Wer aber kämpft für die Rechte der Tiere, die dazu nicht in der Lage sind?

Ich! Du! Wir! Auch wenn erst viele Jahre später sichtbar wird, wofür man einsteht, sollte der humanitäre Gedanke uns weitertragen, weil nur ein Hund, dessen größter natürlicher Feind wir sind, sich bis zu seinem Tod uns gegenüber loyal verhält.